Olaf Scholz
10.02.2020

Übergabe der Wohlfahrtsmarken

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Frau Hasselfeldt,
sehr geehrter Herr Kunter;
meine Damen und Herren,

ich freue mich, heute unsere diesjährige Wohlfahrtsmarke überreichen zu können. Das mache ich sehr gerne – gehören doch diese Termine Anfang und Ende des Jahres zu den wenigen Gelegenheiten, einmal „danke“ zu sagen. Denjenigen, die für andere da sind und sich kümmern um deren Sorgen und ganz konkreten Nöte.

Mein herzlicher Dank geht an die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, die sich eben das zur Aufgabe gemacht haben – die Arbeiterwohlfahrt, an die Caritas, die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz, den Paritätischen Wohlfahrtsverband und an die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Und an Ihre vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit den „Plusmarken“ unterstützen wir Ihre Arbeit – immerhin mit ca. 10. Mio. Euro im Jahr. Ich weiß, das Plus kommt an.

Und mein Dank geht auch an all die Frauen und Männer, die außerdem anderen helfen. Die Angehörige pflegen oder sich als Lesepaten für die Kleinen engagieren, als Sprachbegleiter für Geflüchtete oder als Einkaufshelferinnen für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, und vieles mehr.

So viel Engagement tut unserem Gemeinwesen gut. Deshalb regeln wir gerade die Fragen der Gemeinnützigkeit neu, damit ehrenamtliches Engagement auch künftig steuerlich gefördert werden kann.

Wie im vergangenen Jahr (und seit 2014) zeigen unsere Wohlfahrtsmarken wieder Motive aus einem Märchen der Brüder Grimm. In diesem Jahr ist es „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“. Jacob und Wilhelm Grimm haben uns ja nicht nur die wunderbaren „Kinder- und Hausmärchen“ hinterlassen, die seit 200 Jahren zu unserem Kulturerbe und seit 2005 auch zum UNESCO Welt-Dokumenten-Erbe gehören. Sie sind zugleich Gründerväter der Germanistik und haben unsere Sprache maßgeblich geprägt.

In den Märchen geht es bekanntermaßen nicht immer ganz friedlich zu. Hier geht es erst den Geißlein und dann dem Wolf an den Kragen, der damals als das Sinnbild der bedrohlichen Natur und des Bösen galt.

Heute ist das nicht mehr ganz so leicht mit dem Wolf, zum Glück. Nach mehr als 100 Jahren ist er in unsere Wälder zurückgekehrt. Und auch dank Grimms Märchen ist sein Ruf ausbaufähig.

Wie herausfordernd und manchmal kompliziert der Umgang mit diesem Tier ist, konnte ich in den vergangenen zwei Jahren lernen. Der Wolf und sein „Management“ haben uns – die Koalition, die Bundesregierung, nicht wenige Ministerpräsidenten und -präsidentinnen, das Parlament – ziemlich intensiv und manchmal im Wochenrhythmus beschäftigt. Schon in den Koalitionsverhandlungen war er Chefsache. Das Wort „Wolf“ kommt im Text des Koalitionsvertrags häufiger vor als zum Beispiel „Maut“ oder „Kohle“!

Im Koalitionsvertrag steht geschrieben: „Im Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität.“ Das ist erfreulich. Wir haben uns dort und in einigen Runden danach auch über Rudelzahlen und Zäune unterhalten, über Schafe und Kühe. Und natürlich über Ziegen. Und darüber, was passiert, wenn der Wolf Zäune überwindet und – zum Beispiel – junge Ziegen frisst.

Mein Eindruck dabei war: Wieder hatte der Wolf auch eine große Symbolkraft, ähnlich wie vor 200 Jahren. Schließlich ist uns dann aber eine gute Einigung gelungen, wie mit dem Gesellen umzugehen ist. In Verwaltungsdeutsch ging es um die „Regelung zur letalen Entnahme des Wolfes“.

Für unsere sieben Geißlein ist ja dann am Ende alles gutgegangen. Für den Wolf nicht so. Aber der war auch ein besonders gefährliches Exemplar, das nicht nur Zäune, sondern ganz andere Sicherungsmechanismen überwunden hat, vom Password „Mutter“ über die Stimmerkennung bis zum Fingerabdruckscan, oder Pfoten-Abdruck. Unsere Regelung nun soll im Idealfall alle schützen, die Menschen, die Geißlein und den Wolf.

Die auch in diesem Jahr wieder von Michael Kunter gestalteten Motive der Marken veranschaulichen die verschiedenen Etappen des Märchens sehr gut, wie ich finde. Vielen Dank!

Seit Donnerstag gibt es die Marken zu kaufen, mit den neuen Portowerten 80, 95 und 155 Cent, und mit Plusbeträgen von 40, 45 und 55 Cent, etwas mehr als bisher, doch immer noch erschwinglich für alle, die mit ihren Briefen für andere etwas Gutes tun möchten. Über 23 Mio. beträgt die Auflage insgesamt, ich hoffe, dass da wieder einiges für Ihre Arbeit zusammenkommt.

Meine Damen und Herren,

ich freue mich, nun Alben mit dem Ersttagsstempel zu überreichen. Zuerst Ihnen, Herr Bundespräsident, danach Ihnen, Frau Hasselfeldt, als Vertreterin der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, und schließlich Ihnen, Herr Kunter.
 

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