Olaf Scholz
10.11.2019

Interview mit der BILD am Sonntag

 

 

BILD am SONNTAG: Sie wollen SPD-Chefs werden. Was wollen Sie als Erstes anders machen?

 

KLARA GEYWITZ: Wir werden jetzt mit einer Frau und einem Mann die Gleichberechtigung an der Parteispitze fest verankern. Ohne Frau wird es künftig nicht mehr gehen. Das ist mir sehr wichtig. Außerdem wird es eine bessere Zusammenarbeit geben. Nicht nur zwischen Olaf Scholz und mir, sondern insgesamt. Diese neue Führungskultur in der SPD ist dringend notwendig.

 

Wann wird die SPD wieder einen Kanzler stellen oder gilt: Brandt, Schmidt, Schröder, Schluss?

 

OLAF SCHOLZ: Ich hoffe, nach der nächsten Bundestagswahl. Die Chance für die SPD, wieder den Kanzler zu stellen, ist da. Gucken Sie sich nur mal die Lage in der Union an. Und die Mehrheiten verändern sich in diesen Zeiten eher schnell.

 

GEYWITZ: Diese Große Koalition muss die letzte sein. Deshalb muss die SPD wieder so stark werden, dass es Mehrheiten jenseits der Union gibt.

 

Ihr Mitbewerber um den SPD-Vorsitz, Norbert Walter-Borjans, findet, die SPD brauche bei den miesen Umfrage- und Wahlergebnissen gar keinen Kanzlerkandidaten mehr ...

 

GEYWITZ: Theodor Fontane hat gesagt: Am Mut hängt der Erfolg.

 

Kann Scholz Kanzler?

 

GEYWITZ: Ich traue Olaf Scholz das Kanzleramt zu. Er kann das.

 

Hält die Bundesregierung überhaupt bis zur regulären Wahl im Herbst 2021?

 

SCHOLZ: Wer mag das vorhersagen? Was nicht vergessen werden sollte: In der zweiten Hälfte der Regierungszeit gibt es noch wichtige Projekt wie die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung bei Jobs umzusetzen.

 

GEYWITZ: Die Große Koalition braucht aber auch einen neuen Stil. Dieses zähe Ringen über Monate wie bei der Grundrente nervt die Menschen. Die Große Koalition muss schneller werden und Rituale überwinden. Bei Angela Merkel sind Verschleppung von Entscheidungen und Schlafentzug ein Mittel der Politik. Aber es passt nicht mehr in die heutige Zeit, dass fast jeder Koalitionsausschuss bis Sonnenaufgang dauert und die Politiker dann mit sehr kleinen Augen ihre angeblich genialen Kompromisse, die sie nachts um 5 Uhr treffen, verkünden. Das geht besser und gesundheitsschonender.

 

Herr Scholz behauptet von sich selbst, Feminist zu sein. Stimmt das, Frau Geywitz?

 

GEYWITZ: Als Feministin würde ich nicht mit Olaf Scholz zusammen kandidieren, wenn er sich nicht für Gleichberechtigung engagieren würde. Als Parteivorsitzende werde ich dafür sorgen, dass alle Gremien in der SPD zur Hälfte mit Frauen besetzt werden.

 

Herr Scholz, was planen Sie als Feminist?

 

SCHOLZ: Wir ändern gerade das Gemeinnützigkeitsrecht. Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, sind aus meiner Sicht nicht gemeinnützig. Wer Frauen ausschließt, sollte keine Steuervorteile haben und Spendenquittungen ausstellen. Es gibt deutschlandweit Hunderte Vereine wie Schützengilden oder Sportclubs, die ausschließlich Männer zulassen.

 

GEYWITZ: Wie ist das denn bei deinem Ruderclub in Hamburg?

 

SCHOLZ: Der nimmt seit einiger Zeit auch Frauen auf. 

 

Frau Geywitz, was nervt Sie an Olaf Scholz?

 

GEYWITZ: Der große Tross um ihn herum mit Sicherheit und Limousinen. Ich fahre Bus und Bahn.


Herr Scholz, was nervt Sie an Frau Geywitz?

 

SCHOLZ: Da fällt mir jetzt wirklich nichts ein.

 

GEYWTZ: Das kann doch nicht sein. Olaf!

 

SCHOLZ: Ich hab da gerade eine Blockade.

 

Was schätzen Sie aneinander?

 

SCHOLZ: Klara ist anders. Sie kommt aus dem Osten, sie ist Mutter von drei Grundschul-Kindern, sie ist viel jünger als ich. Da hat sie naturgemäß auf manches einen anderen Blick.

 

GEYWITZ: Ich schätze an ihm, dass Olaf, gerade wenn es hektisch wird, eine große Ruhe ausstrahlt und immer die Nerven behält.

 

 

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