Olaf Scholz
04.05.2012

70. Geburtstag Dr. Christian Olearius

 

Sehr geehrter Herr Dr. Olearius,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

kein Geringerer als William Shakespeare wusste:

 

 „Leicht wird ein kleines Feuer ausgetreten 

Das, erst geduldet, Flüsse nicht mehr löschen.“

 

Wie komme ich darauf? Durch das Handelsblatt, denn das hat Sie, Herrn Dr. Olearius, einmal als „Feuerwehrmann“ bezeichnet. Es bezog sich dabei auf Ihre Tätigkeit bei der NordLB in Hannover, wo sie, so schreibt das Blatt, Sanierungserfolge hatten, „wo immer es in Niedersachsen brannte“.

 

Aber wer würde bei dem „kleinen Feuer“, das rechtzeitig gelöscht gehört, nicht auch an die Schwelbrände denken, „Schuldenkrise“ genannt, die an verschiedenen Stellen Europas viel zu lange unbeachtet geblieben sind?

 

Ich will es nicht übertreiben und von „Feuer unter dem Dach“ der Eurozone reden, denn bisher sind wir ja guten Mutes, dass die Rettungsschirme und anderen Löschmittel rechtzeitig eingesetzt worden sind und das Gebälk der europäischen Einigung nicht einstürzt.

 

Der Umgang mit Geld – auch und gerade mit dem, das man nicht hat – ist gefährlicher und hat viel längerfristige Folgen, als es bei der allerersten Kreditaufnahme im Leben eines Mannes, einer Frau oder eines Stadtstaates vielleicht den Anschein hatte.

 

Hamburg tritt jetzt auf die Schuldenbremse und wird sein vorgegebenes Ziel, ab 2020 keine Neuverschuldung mehr einzugehen, erreichen. Das habe ich dem scheidenden Rechnungshof-Präsidenten versprochen und ich erwähne es gern auch am heutigen Tage.

 

Zwar hat das Bankhaus M. M. Warburg weder die Aufgaben noch die Interessen des Rechnungshofs der Freien und Hansestadt Hamburg. Dennoch wird ihrem Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter nicht gleichgültig sein, wohin – mit Blick auf die städtischen Finanzen – die Reise geht. Schließlich sind wir Konsorten.

 

Ihnen, Herr Dr. Olearius,

gratuliere ich hier und heute sehr herzlich zum 70. Geburtstag.   

 

Zu unserem Zusammenwirken in der „Verwaltung Hamburgische Seefahrtsbeteiligung Albert Ballin“ können wir hoffentlich gemeinsam der Stadt Hamburg gratulieren. Wenn es soweit ist, dass sie – für alle erkennbar – Früchte trägt und wir gemeinsam mit weiteren Konsorten eine bedeutende traditionsreiche Reederei dauerhaft in Hamburg gehalten, und damit ein wichtiges Signal für den Wirtschaftsstandort gesetzt haben.

 

Sie selbst sind seit 1986, mehr als ein Vierteljahrhundert bei Warburg, einer der führenden deutschen Privatbanken. Und soweit ich es beurteilen kann, haben sie deren jüngere Vergangenheit wesentlich geprägt.

 

Ich habe mit einem Zitat begonnen, aber Sie selbst könnten ja mit einigen pointierten Äußerungen Eingang in Zitatensammlungen finden. Zum Beispiel damit, dass Sie von einem „Geschäftsverständnis jenseits von mathematischen Modellen“ sprechen, um Ihre Warburg-Philopsophie zu beschreiben. Und in dem Zusammenhang auch ihre besondere Verantwortung gegenüber der Realwirtschaft betonen.

 

Das hat mir gefallen, denn es ist die Realwirtschaft, die Deutschland ganz gut durch die Krise gebracht hat, gestützt durch ein paar richtige politische Entscheidungen. Und ob die Realwirtschaft funktioniert, steht und fällt an jedem Wirtschaftsstandort – also auch in Hamburg – mit ihren Finanzierungsbedingungen.  

 

Wenn die Bürgerinnen und Bürger einen Sinn in dem sehen, was sich im Finanzsektor abspielt, kann auch Vertrauen wieder wachsen. Die Finanzmärkte, Sie kennen meine Meinung, brauchen eine politische und kulturelle Ordnung, um wirtschaftlich und sozial verträglich zu sein.

Die Weiterentwicklung und Stärkung des Finanzplatzes Hamburg – mit den fast 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kredit- und Versicherungsgewerbe – liegt dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg sehr am Herzen. 

 

Deshalb war es mir auch ein persönliches Anliegen, durch intensive Zusammenarbeit mit der EU-Kommission eine tragfähige Lösung für die HSH Nordbank zu finden, die deren Weiterbestand dauerhaft sichert und die Schiffsfinanzierung als weiteres Standbein auch weiterhin ermöglicht.

 

Die Weiterentwicklung und Stärkung des Finanzplatzes Hamburg ist nichts Abstraktes. Sie hängt zu allererst von den handelnden Personen ab. Ich sehe, Herr Dr. Olearius, Ihren künftigen Vorschlägen, Ideen und Unternehmungen mit Interesse entgegen. 

 

Vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

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IM BUCHHANDEL ERHÄLTLICH

OLAF SCHOLZ

HOFFNUNGSLAND
Eine neue deutsche Wirklichkeit