Olaf Scholz
16.10.2010

Olaf Scholz beim Bild-Frühstück

Was ist ein „Scholzomat“?  

 

(Überrascht). Das war eine starke Formulierung eines Journalisten für meine Tätigkeit als Generalsekretär der SPD. Volker Rühe hat mir mal gesagt, dass man das Amt des Generalsekretärs nicht allzu lang ausüben darf: "Immer nur Sprüche". Daher der Name. Ich habe mein Amt so verstanden, dass man sich nicht wegduckt.  

 

Sind Sie ein ehrlicher Typ?  

 

Es kommt sowieso raus, wenn man nicht die Wahrheit sagt. Vertrauen beruht darauf, dass sich diejenigen mit denen man zu tun hat, darauf verlassen können, dass das was man sagt auch stimmt. Insofern bin ich ein ehrlicher Typ.

 

Wie fänden Sie die Anrede: "Bürgermeister Olaf Scholz"?  

 

(Schmunzelt). Titel bedeuten mir nicht viel. Bürgermeister in Hamburg ist ein großes Amt. Das ist der Ministerpräsident der stolzesten Stadt der Republik. Ich verbinde mit dem Amt schon eine Menge. Das ist nicht irgendwer.

 

Wann war Ihre letzte Hafenrundfahrt?  

 

(Überlegt). Das war eine Hafenrundfahrt mit politischen Freunden im Frühjahr.

 

Können Sie kochen?  

 

(Erfreut). Ich koche dann, wenn Zeit da ist. Meine Frau und ich streiten uns manchmal, wer nun kochen darf. (Schmunzelt). Ich koche gerne Braten. Die gehen leicht.

 

Gehen Sie auch zu McDonald`s?

 

Nicht oft. Ich war mal da als Bundesminister. Mit Fahrer und Sicherheitsbeamten. Da haben vielleicht einige geguckt.  

 

Warum heißt Ihre Ehefrau Britta Ernst und nicht Britta Scholz?

 

Wir waren schon vor der Hochzeit ein Paar. Britta Ernst war Britta Ernst. Olaf Scholz war Olaf Scholz. Das ändert sich ja nicht durch die Ehe. Das moderne Namens- und Eherecht macht es möglich zu heiraten und den eigenen Namen zu behalten, den ein jeder kennt.  

 

Wann haben Sie geheiratet?

 

1998 . Das war für mich ein großer Moment.  

 

Wie lautete Ihr Heiratsantrag?

 

(Verschmitzt). Das ist privat. Nur so viel: Das war in einem Hotel in Paris. Gott sei Dank hat meine Frau gleich ja gesagt.

 

Was wollten Sie als kleiner Junge werden?

 

Ich wollte auch mal Pastor werden. Dann aber Rechtsanwalt. Das war zu Beginn der Oberstufe. Alle rieten mir Arzt zu werden, wegen der guten Schulabschlüsse. Ich wollte aber nicht und bin Rechtsanwalt geworden. Den Beruf habe ich 13 Jahre ausgeübt, bevor ich Abgeordneter wurde.

 

Warum haben Sie keine Kinder?

 

Kinder sind etwas Wunderbares. Aber Britta und ich sind spät zusammengezogen und haben noch später geheiratet. Auch wenn wir schon sehr lange ineinander verliebt sind.  

 

Sind Politiker eitel?  

 

Wer behauptet, er wäre es gar nicht, der sagt bestimmt nicht die Wahrheit. Aber diese Eigenschaft hält sich bei mir in Grenzen. Und mit wachsendem Lebensalter spielt sie eine immer geringere Rolle.

 

Träumen Sie manchmal davon alles hinzuschmeißen?

 

Nein. Und: Die Aufgabe, die man angefangen hat, muss man auch zu Ende führen. Es gibt bei mir eine ganz klare Regel: Wenn mir die Frage kommen sollte "was soll das alles?", dann kandidiere ich nicht mehr für politische Ämter.

 

Peer Steinbrück als Hamburger Bürgermeister?

 

Peer Steinbrück ist ein großartiger Hamburger. Er muss sich als Politiker jetzt ständig der Frage stellen, was er noch alles werden will, zum Beispiel Bundeskanzler. Das ärgert ihn. Denn er strebt das nicht an.

 

Haben Sie auch gute Freunde in den anderen Parteien?

 

Gut verstehe ich mich mit Norbert Röttgen, Volker Kauder und Thomas de Maizière. Die drei duze ich auch.  Genauso wie viele bei den Grünen.  

 

Würden Sie auch mit der Stadtbahn fahren?

 

Ich fahre ja auch U-Bahn, S-Bahn und Bus. Sowohl in Hamburg, als auch in Berlin. Ich würde jedes Verkehrsmittel benutzen um von A nach B zu kommen.  

 

Sind Sie ein "Morgenmuffel"?

 

(Schmunzelt). Ja, aber das hilft mir nichts. Ich muss sehr oft sehr früh aufstehen. Zu so früher Stunde bin ich eigentlich nicht gesprächig.  

 

Finden Sie sich eigentlich schön?

 

(Überlegt). Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Ich bin mit mir einverstanden.  

 

Warum tragen Sie Ihre Haare so kurz?

 

(Lacht). Wenn die Haare ausfallen, muss man immer kürzere Haare tragen. Ich finde nichts peinlicher als kurze Haare in der Mitte und lange, wallende Haare am Rand.

 

Was schenken Sie sich gerne selbst?

 

Am liebsten freie Zeit. Das schönste Geschenk ist ein plötzlich ausgefallener Termin. (Lacht). Ich entspanne dann oder gehe spazieren. Oder mache einfach nichts. Das ist aber ganz selten.

 

Wollen Sie Bürgermeister werden?

 

(Mit Nachdruck). Ich bin sehr gerührt von dem, was ich gegenwärtig erlebe. Das will ich gerne zugeben. Ich werde jeden Tag spontan auf der Straße angesprochen. Bei jeder Veranstaltung. Die Umfragen sagen einem ja auch etwas. Ich glaube, dass sich eine sehr große Zahl der Hamburger wünscht, dass ich kandidiere. Das lässt mich nicht unbeeindruckt. Und Hamburg bedeutet mir viel.

 

Wäre denn der Job des Bürgermeisters noch eine Herausforderung?

 

Das ist eine große Herausforderung und ein großes Amt. Gerade deshalb, weil Hamburg eine Stadt ist, die mit der ganzen Welt verbunden ist.  

 

Wenn Sie Bürgermeister werden, was wäre Ihre erste Tat?

 

Nun mal langsam. Ich bin bisher ja noch nicht mal Kandidat. (Ernst) Das wichtigste, was wir in Hamburg hinbekommen müssen, ist dafür zu sorgen, dass nicht so viele junge Leute ohne Schulabschluss- und berufliche Qualifikation bleiben. So, wie es heute ist, kann es nicht bleiben! Mein Ziel: Jeder Jugendlicher erreicht einen Berufsabschluss oder das Abitur.

 

Wie stark ist Ihr Machtwille ausgeprägt?

 

(Überlegt). Wer führen will, darf vor Führung keine Angst haben. Vor Konfliktsituationen, vor Schwierigkeiten, vor damit  verbundenen Härten. Allerdings sind politische Anführer dann schlecht, wenn sie bloß hart sind, weil sie hart wirken wollen. Wichtig ist es, standhaft zu sein.

 

Sind Sie ein linker- oder rechter Sozi? 

 

Über die lange Zeit meiner politischen Lebenslaufbahn bin ich ein pragmatischer Sozialdemokrat geworden. Die sozialdemokratischen Kanzler waren pragmatisch. Und alle SPD-Bürgermeister seit 1945. Angefangen bei Max Brauer.  

 

Holen Sie sich Rat bei Helmut Schmidt?

 

Er ist immer ein guter Ratgeber, wenn man mit Ihm spricht. Man kommt gar nicht drum herum. (Lacht).  

 

Sind Sie musikalisch?  

 

Ich habe früher Oboe gespielt. Heute kann ich das nicht mehr richtig. Oboe spielen muss man lange üben. Das schwierigste dabei ist das Mundstück. Es ist eine Herausforderung für die Gesichtsmuskeln.  

 

Was für ein Auto fahren Sie privat?

 

Einen BMW X 1. Mein erstes Auto war ein Lada Samara.  

 

Gehen Sie auch "über Leichen"?  

 

(Ernst). Nein. In keinem Fall. Das finde ich weder cool noch nötig.  

 

Gehen Sie mit 67 in Rente?  

 

Führende Politik ist sehr anstrengend. Das sollte man nur machen, wenn und solange man ein Anliegen hat. Für mich sind die gesetzlichen Altersgrenzen aber kein Maßstab.  

 

Verspüren Sie manchmal Versagensangst?  

 

(Entschieden) Nein. Ich gehöre zwar nicht zu den Größenwahnsinnigen, die glauben, sie gewinnen immer. Die sind mir peinlich. Aber ich fürchte mich nicht.                    

 

 

Das Interview führte Prof. Norbert Vojta.

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