Talk in Altona mit Hermann Scheer
Warum wir zukünftig einen generellen Wechsel der Energiebasis - hin zu erneuerbaren Energien - anstreben sollten, stellte Hermann Scheer am 8. Dezember 2006 beim "Talk in Altona" eindrücklich dar. Der Bundestagsabgeordnete, Präsident von EUROSOLAR und Träger des Alternativen Nobelpreises 1999 Hermann Scheer diskutierte mit rund 80 Besuchern und Olaf Scholz im Kultwerk West zum Thema Zukunft der Energieversorgung in Deutschland.
Nicht nur die Erdölreserven neigen sich dem Ende zu, sondern früher oder später jede Art fossiler Energie - auch das fossile Uranerz als Basismaterial für atomare Brennstäbe. "Zeitlich näher als die Verfügbarkeitsgrenze liegt jedoch die ökologische Belastungsgrenze für die Weltzivilisation und das Weltklima" so Scheer. Neben der Endlichkeit zeichnen weitere Faktoren für die auch künftig steigenden Energiepreise verantwortlich. Längst sind die Reserven des leicht zu fördernden Öls ("easy Oil") zu Ende und es muss zunehmend auf teure, nicht konventionelle fossile Potenziale zurückgegriffen werden. Daneben ist der steigende Energiebedarf der Weltbevölkerung, man denke allein an die Zunahme der PKWs in China, schneller als die technisch realisierbaren Angebotsmöglichkeiten. Außerdem "wird der Infrastrukturbedarf immer teurer, weil das fossile Weltsystem immer stärker auf die Ausbeutung der letzten Nischenquellen angewiesen ist."
Vor diesem Hintergrund müssen wir dringend die nicht-fossilen Alternativen, auch zur Atomenergie mobilisieren. "Hierin liegt eine große wirtschaftliche Chance. Außerdem ist nichts schneller realisierbar als die Mobilisierung erneuerbarer Energien." In Deutschland haben wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, bei dessen Formulierung Scheer federführend mitwirkte, schon einen wichtigen Schritt getan: "Kein politisches Industrieförderprogramm hat jemals so wenig gekostet und dabei so schnell so viel bewirkt" stellte Scheer fest. Scholz bestätigte, dass an dem von Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg nicht zu rütteln sei.
Mit dem vollständigen Wechsel zu erneuerbaren Energien würde sich alles ändern. Es wäre ein Wechsel von wenigen großen zu vielen kleinen Energieerzeugern, von internationalisierter zu regionaler Infrastruktur von emittierenden zu emsissionsfreien Energien und nicht zuletzt von hoch konzentrierten zu vielfältigen Unternehmensformen. "Beim Systemwechsel in der Energieversorgung handelt es sich um ein anderes Paradigma der Technik, Ökonomie und Politik".


