
Sehr geehrter Herr Professor Sandig,
sehr geehrte Damen und Herren,
Frauen
und Männer mit großer Lebenserfahrung verfügen zumeist auch über eine
überdurchschnittliche Gelassenheit.
Das wissen die Hamburgerinnen und Hamburger an Armin Sandig zu schätzen, das
wissen die hier versammelten Freunde und Gefährten zu würdigen, und das hat die
Freie Akademie der Künste zu Hamburg zu dem gemacht, was sie ohne ihn nicht
wäre:
Ein Ort, an dem Geist und die Diskussion unter Selbstdenkern zählen – und sonst
nichts. Glitter und Glamour, Medienprominenz und Prominentenzirkus – dies alles
hat die Freie Akademie zu Hamburg nie benötigt, um ihre Notwendigkeit und ihre
Qualität unter Beweis zu stellen.
Fast
ohne Beispiel ist die Tatsache, dass die Präsidentschaft Armin Sandigs über
dreißig Jahre gedauert hat: Dreißig Jahre lang, die halbe Lebenszeit der Freien
Akademie der Künste.
Und deswegen ist diese kulturelle Institution wie kaum eine andere von Ihnen
persönlich geprägt. Sie ist – diese Metapher ist in diesem Fall genau die
richtige – sie ist sozusagen Ihr Kind.
Die Gründung der Akademie geht zurück auf den Plan einiger kulturbeseelter
Menschen, ausgerechnet in Hamburg, dieser angeblich so kunstfernen Stadt, der
Idee einer platonischen Akademie einen Ort zu verschaffen.
Die umgehend gegründete Freie Akademie
hatte viele Einfälle. Sie hatte die Kraft
Hans Henny Jahnns und seiner Mitstreiter - allerdings nicht die
geringsten finanziellen Mittel.
Unter ihrem ersten Präsidenten stand die Freie Akademie sogar buchstäblich im Freien - was eigentlich nicht der Sinn ihres Namens war. Sie musste sich damit trösten, dass auch Plato und seine Akademie-Schüler zunächst im Freien diskutierten und die Gedanken während beschaulicher Spaziergänge fließen ließen.
Erst im Jahr 1975, 16 Jahre nach ihrer Gründung, bezog die Akademie erste Räume - im Kellergeschoss der Kunsthalle. Und erst im Jahr 1993 wurde sie an dem Ort heimisch, an dem sie bis heute derart erfolgreich arbeitet, dass sie aus dem Hamburger Kulturleben nicht mehr wegzudenken ist.
In diesem Jahr, 1993, ist Armin Sandig bereits dreizehn Jahre lang der
Präsident der Akademie gewesen. Und dass die Akademie dort angekommen ist, wo
sie heute sitzt und blüht, das war schon damals in wesentlichen Bestandteilen
sein ganz persönliches Verdienst.
Vielleicht musste es jemand sein wie Sie, verehrter Herr Sandig. Sie haben alles, was Sie ausmacht, aus sich selbst heraus geschaffen. Immer schauten Sie auch auf die anderen Disziplinen der Künste und der Geisteswissenschaften. Und umgekehrt: Auch Sie und Ihre Arbeiten wirkten weit über das eigene künstlerische Feld hinaus.
Es ist kein
Zufall, dass sich Philosophen und große Literaten früh mit Ihren künstlerischen
Arbeiten, Ihren Arbeiten als Maler beschäftigten. Ich nenne hier Max Bense und
Helmut Heißenbüttel, mit denen Sie befreundet waren.
Ihre äußerst weit gefächerten Interessen in der Musik, der Literatur, der
Philosophie – all das hat Sie für das Amt, das Sie so lange und so erfolgreich
ausgefüllt haben, geradezu prädestiniert.
Hamburg, meine Damen und Herren, ist, wie wir wissen, vor allem eine „freie“ Stadt, und danach erst ist sie „Hansestadt“.
Deshalb haben Hamburg und sein Senat sich in den vergangenen Jahren wiederholt
vor dem unabhängigen Denker und Künstler Armin Sandig verneigt.
Wir freuen uns, es dies anlässlich Ihres Abschieds aus dem Präsidentenamt erneut zu tun – heute mit einem kleinen Essen für Sie und Ihre Freunde.
Herzlichen Dank!
Es gilt das gesprochene Wort.