
Sehr geehrter Herr Jorzick,
sehr geehrter Herr Hellweg,
meine Damen und Herren,
Wilhelmsburg ist nicht nur die größte Flussinsel Europas. Schon das macht
Wilhelmsburg interessant und von Natur aus vielfältig. Es ist ein sozusagen
„amphibischer“ Stadtteil, der fast überall am und mit dem Wasser lebt. So auch
an dieser Stelle, in der „Neuen Mitte“, die hier entsteht.
Wilhelmsburg ist außerdem ein Stadtteil, der als Wohnort immer interessanter
und beliebter wird. Schon jetzt! Und natürlich werden die Ideen und Projekte
der IBA das enorm fördern.
6.000 Wohnungen pro Jahr – das Ziel und Versprechen des Senats ist ja inzwischen
überall bekannt. Die Zahl sagt noch nichts über das „Wie“. Aber: Gut 6.800
genehmigte Wohneinheiten haben die Bezirke dem Senat in 2011 gemeldet. Darauf kommt
es an, denn es sind die Bezirke, die den Plan mit Leben füllen müssen.
Wilhelmsburg tut es und hat gute Voraussetzungen, denn es ist Sonderfördergebiet
im Zuge der IBA und zweitgrößter Hamburger Entwicklungsraum. Hier leben jetzt
knapp 50.000 Hamburgerinnen und Hamburger. Und es sollen mehr werden! Die IBA
setzt Impulse für eine positive Entwicklung des Gebietes. Und steht auch dafür,
dass ansehnliche neue Gebäude entstehen.
Darauf kommt es an, denn – wenn ich den alten Fußballerspruch einmal abwandeln darf – entscheidend ist aufer Baustelle. Und im Stadtbild.
Wobei es, wie jeder weiß, der Architektur auch um die „inneren Werte“ gehen
muss. Gerade die große Stadt braucht besondere Wohnungsangebote für besondere
Ideen und Bedarfe, und für unterschiedliche Lebensstiltypen. Damit braucht sie
auch unterschiedliche Architekturangebote.
Die
„Hybrid Houses“, die hier entstehen, werden ein gutes Beispiel dafür sein, wie
Einfallsreichtum von Planern den Wohnungsbau in Hamburg sowohl quantitativ als
auch qualitativ befördern kann.
Das „Team Hamburg“ hat ein Konzept erarbeitet, das Wohnen und Gewerbe miteinander kombiniert. Dafür gibt es gute Gründe und es ist auch kein völlig neuer Gedanke, allerdings ist er lange Zeit vernachlässigt worden. Doch schon länger gibt es die Forderung, wegzukommen von der früher betriebenen – oder sich entwickelt habenden – strikten Trennung zwischen Wohn- und Gewerbequartieren.
Sie haben hier beides getan: neue Bebauungsflächen für unsere Stadt erschlossen
und gleichzeitig Überlegungen für neue Formen des Zusammenlebens angestellt.
Ich finde das hoch interessant und für mich liegt darin ein wichtiger Teil der
Zukunft des Hamburger Städtebaus.
Die wachsende Einwohnerzahl, die wir anstreben, bedeutet ja nicht nur mehr
Wettbewerb um Fläche und die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum für Viele zu
schaffen. Hinzu kommt, dass sich die Bedingungen des Zusammenlebens in
städtischen Räumen in immer kürzeren Zyklen ändern. Zudem verringert sich das Lebensalter
von Standardgebäuden – immer häufiger sehen wir die Abrissbirne im Einsatz, wo
man noch vor einer halben Generation dachte, man hätte zukunftsträchtig gebaut.
Das verschlechtert nicht zuletzt die ökologische Gesamtbilanz und auch deshalb
bedarf es neuer, sich anpassender Typologien. Wie zum Beispiel der hybriden
Technologie, für die wir hier heute einen Grundstein legen. Und die bald von
hier wohnenden und arbeitenden Wilhelmsburgern dem Praxistest unterzogen wird.
Letzten Endes geht es um nachhaltigen Wohnungs- und gleichzeitig Gewerbebau. Die IBA hat versprochen, dass sie die Entwurfsprinzipien der Nutzungsmischung und Flexibilität um das Thema der Nachhaltigkeit erweitern will. Es sollen Gebäude entstehen, die langlebig und anpassungsfähig sind – im Hinblick auf Nutzungsoptionen, Wirtschaftlichkeit und Ökologie.
Meine Damen und Herren,
genau die brauchen wir und die „Bauausstellung in der Bauausstellung“, zu der die „Hybrid Houses“ gehören, hat sich zum Ziel gesetzt, Antworten auf den Wohnungsbau im 21. Jahrhundert zu geben. Das erste Zehntel des Jahrhunderts liegt hinter uns. Schreiten wir also zur Tat. Ich bin gespannt, ob hier eine gute Antwort gegeben wird.
Es gilt das gesprochene Wort.