14.02.2012

Zukunft von Hapag-Lloyd: Albert Ballin-Konsortium plant Übernahme weiterer Anteile

Nachdem der Reisekonzern TUI Anfang Januar sein vertraglich vereinbartes Andienungsrecht für 33,3 % Hapag-Lloyd-Aktien wahrgenommen hat, liegt jetzt eine Verhandlungslösung auf dem Tisch.

 

„Vertreter des Albert Ballin-Konsortiums, an dem die städtische HGV und namhafte Hamburger Unternehmen beteiligt sind, haben ein gutes Ergebnis erzielt, das den Interessen unserer Stadt und den Anforderungen der Reederei gerecht wird“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz am Dienstagabend. Die Reederei sei für den Wirtschaftsstandort wichtig und für den Hafen von größter Bedeutung. Die Erhöhung der Beteiligung der Stadt auf 36,9 % sei nicht auf Dauer angelegt, sondern diene unter den gegebenen vertraglichen Bedingungen einer nachhaltigen Standortsicherung der Traditionsreederei in Hamburg.

 

Die erzielte Verständigung sieht vor, dass zunächst ein hoch verzinstes TUI-Darlehen im Umfang von 100 Mio. € durch Hapag-Lloyd getilgt und im Umfang von 125 Mio. € durch Albert Ballin angekauft wird. Anschließend wandeln Albert Ballin KG und TUI ihre Darlehen von jeweils 125 Mio. € in Eigenkapital. Das Unternehmen wird dadurch von Zinszahlungen in Höhe von 47 Mio. € pro Jahr entlastet. In einem weiteren Schritt ist vereinbart, dass Albert Ballin für 475 Mio. € 17,44 % der Anteile von TUI übernimmt. Auf Grundlage dieser Verständigung verzichtet TUI auf ihr vertragliches Andienungsrecht.

 

Das sich daraus ergebende Gesamt-Investment von Albert Ballin in Höhe von 600 Mio. € verteilt sich auf die Stadt mit 420 Mio. €, den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne mit 160 Mio. €, sowie die Versicherungen Hanse-Merkur mit 13 Mio. € und Signal Iduna mit 7 Mio. €.

 

Hintergrund:

 

Die Stadt ist seit 2008 über ihre Konzernholding HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH (HGV) am Albert Ballin-Konsortium beteiligt, das bislang rd. 61,6 Prozent der Anteile an Hapag-Lloyd hält. Als zweitgrößte Gesellschafterin dieses Konsortiums hält die HGV derzeit einen durchgerechneten Anteil von rd. 23,6 Prozent am Unternehmen. 2008 wurde der TUI das Recht eingeräumt, vom Albert Ballin-Konsortium den Kauf von 33,3 % an Hapag-Lloyd zu verlangen. Sollte bis zum September keine Einigung erzielt werden, hätte TUI das Recht, die Anteile an einen Dritten zu veräußern. Dabei hätte Albert Ballin so viele Anteile mit verkaufen müssen, dass insgesamt eine Mehrheit an der Reederei hätte veräußert werden können.

 

Hapag-Lloyd hat sich in den letzten 160 Jahren zur größten deutschen Linienreederei entwickelt und ist heute die viertgrößte Reederei weltweit. Die Seeschifffahrt hat große Auswirkungen auf die Beschäftigungslage im Hamburger Hafen und für den Wirtschaftsstandort insgesamt. Von den weltweit rund 6.900 Mitarbeitern der Hapag-Lloyd sind rund 1.100 Mitarbeiter in der Hamburger Unternehmenszentrale beschäftigt. Rund 20.000 Arbeitsplätze in der Metropolregion sind mittelbar von der Hapag-Lloyd abhängig.

 

Von den rund 270 Mio. € des von HLAG jährlich vergebenen Auftragsvolumens fallen rund 90 Prozent im Hamburger Hafen an. Hapag-Lloyd erbringt seine Transportleistungen jedoch nicht „Stand-alone“ sondern gemeinsam mit sechs weiteren Containerreedereien in der im Dezember 2011 zusammengeschlossenen G6-Alliance, einer strategischen Verbindung zur Optimierung von Schifffahrtsdiensten zwischen Asien und Nordeuropa. Dadurch sichert Hapag Lloyd ein Umschlagsvolumen von über 40 % im Hamburger Hafen, der wesentlich zur Wirtschaftskraft und den Steuereinnahmen der Stadt beiträgt.

 



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